Am nächsten Morgen ging es dann endlich zum eigentlichen Ziel für jeden Südafrikabesucher, einem Gamereserve. Hluhluwe/ Umfolozi war nur eine Stunde entfernt und ich hatte zwei Übernachtungen im Camp gebucht. Dieses mal in Zelten, die ich zwar von Bildern und Erzählungen her kannte, aber mir doch nicht so richtig vorstellen konnte. Desto mehr war ich positiv überrascht als wir an den Zelten ankamen.

In der Mitte der voll ausgestatte, offene Küchentrakt mit Verranda und rechts und links über drei Stufen zu den Zelten und alles auf Pfeiler gestellt. Die Größe der Betten lies keinen Wunsch offen und auch die anschließende Naßzelle mit Dusche,Toilette und Waschbecken war perfekt, alles mit Bambus verkleidet.

Der Grill stand nur zwei Meter entfernt und über allem erstreckten sich die Kronen der Akazienbäume. Was wollte man mehr? Vielleicht Untermieter? Kein Problem, auch dafür wurde gesorgt. Keine halbe Stunde nach unserer Ankunft kam die ganze Familie Pumpa auf mich zu, ich stand gerade am Grill und wir standen uns gegenüber und die haben nicht mal halb so blöd geschaut wie ich. Den Stock den ich in der Hand hielt ging zwei, drei mal gegen einen der Pfosten um Lärm zu machen. Das war wahrscheinlich das Zeichen für sie, ihr Nachtlager zu beziehen, welches direkt unter den Zelten war. Damit waren sie verschwunden und wir haben sie die nächsten 24 Stunden nicht mehr gesehen, aber gehört. Bis sie ihre Schlafposition gefunden hatten, dauerte es noch eine Weile und das Fressen vom Tag mußte auch noch verdaut werden, was uns von Zeit zu Zeit in der Nase stand. Lustig war es allemal.

Die Nacht war gerade hereingebrochen, als wir unser Dinner im Bush beendet hatten. Nun konnten wir den Abend so richtig geniessen. Sternenklarer Himmel, fast Vollmond, keine störenden Geräusche sondern nur die Stimmen des Bushes und alles bei Bier und Kerzenschein…. schrecklich oder??

Am Vortag hatte ich ein Stück Filet gekauft, was wir eigentlich mit auf den Grill legen wollten. Leider war es schlecht geworden. Aber es gibt immer jemanden der auch solches Fleisch liebt. So schnitt ich es in kleine Stücke und warf es einige Meter von den Zelten entfernt in den Busch. Ich wußte, dass die Hyänen die besten Nasen haben, eine halbe Stunde später sahen wir ihre Augen im Schein der Taschenlampe leuchten. Fast lautlos holten sie sich ihr Mahl ab. Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir Vorwürfe, weil ich ja wußte, Familie Pumpa ist unter uns. Und Pumpas und Hyänen sind nicht gerade die besten Freunde. Nach einer Stunde war der ganze Spuck wieder vorbei und der Bush hatte keine Augen mehr.

Was gibt es besseres als morgens von den Geräuschen der Natur geweckt zu werden und noch in der Dämmerung einen heißen Kaffee zu trinken? Genau, auf einen Berg zu kraxeln und den Sonnenaufgang mit zu erleben.

Nach dem Frühstück hatten wir den ganzen Tag Zeit, um Tiere zu schiessen, wir schossen hier und schossen da einige Bilder und hatten auch schon einige Tiere erlegt mit der Kamera, aber uns fehlten immer noch die Großen, die Elefanten. Am Vortag hatten wir schon ganz Umfolozi abgefahren und erkannten, dass sie in Hluhluwe sein mußten. Diese Gebiet hat nur etwa 500 quadratkilometer, das sollte zu schaffen sein.

Das Skurile bei der Suche nach Tieren ist, sie können 10 Meter neben dir stehen und man kann sie nicht sehen, weil der Busch sie verdeckt, eben auch große Tiere wie Elefanten. Nur eine Art sieht man von überall, die Giraffen. Von denen war der Park fast gespickt wie ein Stachelschwein.

Uns hielt ein entgegenkommendes Auto an und sagte, dass er gerade zwei Löwen, nur etwa 500 meter vor uns, gesehen hat und wir beeilten uns natürlich, um diese noch zu sehen, zumal dies genau so schwer ist, wie die richtige Frau zu finden. Das bauchhohe Gras hatte ihnen inzwischen die Sicht zu uns genommen und sie konnten unseren Bus nicht mehr erkennen, Pech für die Löwen… Aber so ist das Leben, 2 Minuten und 10 Meter können manchmal sehr viel bedeuten! Wir haben die Stelle noch mindestens drei mal abgefahren, Kerstin war inzwischen aus dem Fenster geklettert, um höher zu sitzen aber auch als Leuchtturm hatte sie kein Glück.

Wir fuhren und fuhren und hatten mittlerweile 5000 Antilopen und anderes jagdbares Wild gesehen, als vor uns eine Wegbiegung lag. Wenn Ihr jetzt denkt, 35 km/h ist ja langsam, es kann schon zu schnell sein, jedenfalls wenn auf einmal drei Rhinos den Weg versperren. Mußten sie gerade jetzt vor uns stehen und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen? Wir wollten keine Naßhörner mehr sehen, wir hatten genug im Kasten. Wir wollte Elefanten!

Als sie nur noch mit ihrem Hinterteil auf dem Weg standen, schlichen wir uns klammheimlich vorbei…. Nicht mal dreihundert meter weiter standen sie vor uns, endlich! Wir hatten sie gefunden und waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein Bulle, eine Mama und ein nicht mehr ganz junges Junges. Mutter mit Kind grassten friedlich an der Seite des Weges, nur dem Bullen schien das Profil unserer Reifen nicht zu passen und er kam recht ungestüm auf uns zu. Ich legte schneller als sonst den Rückwärtsgang ein und mir schoß es blitzschnell, dass wir in der perfekten Falle saßen, hinter uns die Naßhörner und vor uns ein auf Streit eingestellter Elefantenbulle. Wir stellten die Atmung ein, erhöhten den Pulsschlag und schütteten mächtig Adrenalin aus. In der rechten Hand die Kamara, in der linken das Lenkrad, das linke Auge nach vorn und das rechte im Rückspiegel fuhr ich rückwärts los und hoffte, dass dem Elefanten die Puste ausging, bevor wir die Rhinos erreichten. Irgendjemand hat unser Stoßgebet erhört und ein Einsehen gehabt, wahrscheinlich der Elefant. Es sollte jedoch nicht die letzte Begegnung mit dieser Art und auf diese Art sein…

Wir waren absolut happy, wir hatten sie gefunden und auf dem Chip. Das ist jedesmal mein Ziel, wenn ich in diesen Park fahre, die Elefanten zu finden. Am Anfang überließ ich es immer dem Zufall. Jetzt “jage“ ich sie.

Es war schon später Nachmittag, als wir wieder in unserem Camp ankamen. Familie Pumpa ist wieder eingezogen und der Sonnenuntergang rundete diesen eh schon erfolreichen Tag perfekt ab.

Die Nacht brach herein und die Sterne leuchteten zusammen mit dem Mond, der durch die Akazienbäume schien, um die Wette. Vom Tag geschafft, waren wir alle ziemlich müde und jeder nahm sich vor am nächsten Morgen richtig lange zu schlafen. Verdient hatten wir es allemal.

Am nächsten Morgen sollte es wieder nach Hause gehen und jeder dachte der Trip sei zu Ende, was sollte auch noch Aufregendes passieren? Wenn wir zu diesem Zeitpunkt gewußt hätten…

Am nächsten morgen gegen sechs Uhr hörte ich Ilona im Zelt gegenüber sagen “Ein Elefant”, der Tonfall sagte mir allerdings, dass sie wahrscheinlich nur ihren Wolfgang wecken wollte, warum auch immer so früh. 2 Sekunden später, allerdings viel lauter “Kerstin! Ein Elefant!” Die Tonart ließ mich blitzschnell aus meiner Koje springen, rein in die Hosen und raus aus unserem Zelt. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, zumal ich ja noch etwas Schlafsand in den Augen hatte. Direkt vor unseren Zelten, zum Angreifen nah, stand ein Elefantenbulle und graßte gemütlich die Bäume ab. Er lies sich Zeit und so konnten wir unsere Kamaras scharf machen und Bilder und Videos schießen. Ilona hatte so viel Sch…. Respekt, das sie ganz schnell rannte… um Hilfe zu holen…. Ein Ranger, mit Gewehr, und andere Schaulustige standen in respektvoller Entfernung und harten da aus, was noch passieren würde. Kerstin nahm die Kamara und folgte dem Elefant um noch spektakulärere Bilder zu bekommen. Ich ging ihr nach, aber immer einige Meter hinter ihr. Mein Selbsterhaltungstrieb war stärker als schöne Bilder. Als sie dann aber “Angsthase” zu mir sagte, verwechselte ich Mut mit Leichtsinn und folgte ihr auf den Fuß. Als ich direkt hinter ihr war und etwa nur noch 6 Meter von ihm entfernt, drehte er sich urplötzlich! um und kam die ersten Schritte im Laufschritt auf uns zu. Wir stellten einen neuen Sprintrekord in der Kurzstrecke auf und flüchteten wieder zurück durch den Busch zu unseren Zelten. Eine Stunde später hatte sich unser Puls wieder beruhigt und ich wußte, warum er sich gestört fühlte. Ich hatte, noch von der Nacht, ein schneeweises “Meister Proper T-Shirt” an, für ihn wahrscheinlich zu grell und zu störend. Das nächste Mal ziehe ich nur noch Tarnunterwäsche an, man weiß ja nie! Jedenfalls trollte sich der Elefant in Richtung des Hügels, den wir am Vortag bestiegen hatten. Vielleicht wären wir ihm direkt in die Arme, Entschuldigung, den Rüssel gelaufen.

An dieser Stelle muß ich dazu sagen, dass der gesamte Park 960 Quadratkilometer groß ist und die Chance, einen Elefanten direkt vor der Behausung zu erleben, ist wie ein Sechser im Lotto, also nur etwa zwei oder drei mal im Monat….und wir sind den ganzen Tag den Elefanten hinterher gefahren! Warum sind wir eigentlich nicht in unseren Zelten geblieben und haben gewartet, bis sie zu uns kommen? Jedenfalls trat alles bis dahin Erlebte in den Hintergrund und es gab nur noch ein einziges Thema.