In diesem Jahr viel die Wahl unseres Sommerurlaubsziels auf La Palma oder auch „la isla bonita” (die schöne Insel), wie sie liebevoll von den Einheimischen genannt wird. Sie ist die nordwestlichste und drittkleinste der Kanaren. Trotzdem ihrer Gesamtgröße von gerade einmal 708 Quadratkilometern, sollte man die „Kleine” nicht unterschätzen. Als eine der jüngsten Inseln des Archipels ist ihre vulkanische Vergangenheit noch sehr deutlich sichtbar und sie kann sich rühmen ob ihrer Gesamtfläche die Insel der Welt mit den größten Höhenunterschieden zu sein.

Den Mittelpunkt des nördlichen La Palmas bildet die Caldera de Taburiente, mit einem Durchmesser von neun Kilometern der größte Senkkrater der Welt. An seinem 28 Kilometer langen Rand liegt auch mit 2405 Metern die höchste Erhebung der Insel: der Roque de los Muchachos. Diesen Gipfel haben sich Astronomen aus aller Herrenländer zu ihrem Refugium erkoren. Aufgrund der isolierten Lage La Palmas im Atlantischen Ozean, weit weg von Luft- und Lichtverschmutzung des Kontinents, finden sie hier, oberhalb der Wolken, optimalste Vorraussetzungen für ihre Forschungen. Selbst der Laie erkennt auf La Palma mit bloßem Auge, dass die Sterne in überwältigender Vielfalt und Intensität über der Insel glitzern.

Obwohl die Observatorien auf dem Roque de los Muchachos nur an einigen wenigen Tagen im Jahr geöffnet sind, lohnt es sich auf jeden Fall, dem Berg einen Besuch abzustatten. Die Höhenunterschiede sind auf La Palma -wie erwähnt- immens und so ist es allein ein erhabenes Gefühl, von über 2000 Metern auf der einen Seite auf das naheliegende Meer und auf der anderen in die steilen Schluchten der Caldera zu blicken. Die astronomischen Kuppelbauten und Teleskope sind vor dem strahlend blauen Himmel und inmitten der schroffen Gebirgswelt zudem ein tolles Motiv für alle ambitionierten Fotografen.

Etwa zehn Kilometer nördlich von Puntagorda schlängelt sich die LP-4 und später die LP-403 den Weg zum Roque de los Muchachos hinauf. Unterwegs gibt es eine Menge zu entdecken: immer wieder taucht hinter den Kurven eine neue interessante Ansicht in ein Tal oder eine Schlucht auf und man kann den Wechsel der unterschiedlichen Vegetationszonen deutlich nachvollziehen. Das Vergnügen liegt allerdings zumeist vor allem auf der Seite des Beifahrers, denn der Fahrer wird genug mit den engen und steilen Serpentinen zu tun haben, die die Benutzung des zweiten Ganges schon als etwas außergewöhnliches erscheinen lassen. Also: am besten immer wieder, wenn es die Strecke erlaubt, Zwischenstopps einlegen, die es Fahrer ermöglichen, die tollen Ausblicke ebenfalls zu genießen.

Die enge Kurvenfahrt nimmt ihr Ende auf Höhe der Baumgrenze, wo die LP 403 zum Observatorium abzweigt. Hat man die astronomischen Anlagen erstmal erreicht, bieten sich längsseits der nun wieder etwas breiteren Straße, links und rechts zahlreiche Möglichkeiten, um für einen Fotostopp zu halten. Silbern schimmern die Kuppeln der strahlend weißen Observatorien vor dem klaren blauen Himmel, der am Horizont mit dem Meer verschwimmt. Um hier ein super Bild zu schießen, braucht man eigentlich nur noch auf den Auslöser zu drücken.

Allerdings sollte man sich einige Aufnahmen für später aufheben. Vom Besucherparkplatz auf dem Roque de los Muchachos genießt man nämlich einfach atemberaubende Einblicke in Caldera. Fast senkrecht scheinen die Wände des Kraters, dessen runde Form hier eindrücklich ersichtlich ist, in die Tiefe zu stürzen. Der vulkanische Ursprung des Eilandes ist an zahlreichen unterschiedlichen Gesteinsschichten- und farben zu erkennen und überall ragen bizarre Formationen aus dem Fels.

Solcher Maßen beeindruckt, kann man den Rückweg antreten, der, der LP-4 folgend auf die andere Seite der Insel zur Hauptstadt Santa Cruz führt. Eine ebenfalls kurvenreiche aber nicht ganz so enge Strecke, die zunächst durch Geröllfelder und später fast alpin anmutende Kieferwälder bis in den dichten Laubwald oberhalb von Santa Cruz führt. Und auch hier bieten sich längsseits des Weges viele wundervolle Ausblicke auf die vorgelagerte Küstenzone der Hauptstadt.