Der drei Tage Tripp in die Drakensberge war eine Abwechslung der besonderen Art.

Es ging schon auf dem Hinweg los – Feiertagsverkehr. Da wir aber auf der anderen Seite der Kugel wohnen ist das natürlich etwas anders als bei Euch. Kein Autoverkehr, keine Fußgänger auf der Strasse und keine Fahrradfahrer auf der Autobahn. Da unser Ziel gerade um die Ecke lag, nur 250 km, konnten wir also bei strahlendem Sonnenschein ganz entspannt unsere Tour genießen. Unterwegs haben wir an einer kleinen Kapelle, die wir noch von früher kennen, einen kleinen Stop eingelegt. Direkt daneben war ein Wasserfall der um diese Jahreszeit natürlich soviel Wasser führte das man ihn schon von weitem gehöhrt hat. Mit den Wasserfällen ist es wie mit dem Kaminfeuer, man könnte stundenlang zuschauen. An die Kapelle angeschlossen war ein kleiner Friedhof und da ich mich für Geschichte interessiere habe ich auch die Gräber studiert. Die meißten waren von einer Familie Walker, mindestens zehn Generationen. Gestorben im Alter von 12 bis 100 Jahren. Alle von anfang 19. bis ende 20. Jahrhundert. Ich glaube es waren zu dieser Zeit die !! Farmer oder die !! Missionare in der Gegend. Ich stelle mir dann immer die Leute in ihren damaligen Kleidern und ihren einfachen Steinhäusern vor und es läuft wie ein Film vor mir ab.

Ohne Streß gings weiter nach Underberg, der größte Ort am Fuß der Berge und etwa so groß wie Kuhschnappel. Ich kannte diesen Ort immer rege und beschäftigt. Dieses mal dachte ich wir sind einem Hollywoodmovie, kein einziger Mensch auf der Srasse, alle Geschäfte geschlossen und absolut kein Verkehr – morgens halb zehn. Unser Ziel lag aber noch etwa 15 km entfernt auf einer Farm die einer der größten Maklerfirmen in SA gehört und natürlich jeder kennt. Um so größer der Schock als wir angekommen sind. Trotz Absprache waren nur Schwarze die noch nicht einmal englisch gesprochen haben da. Von aussen nicht sehr einladend. Ok, kein Problem, laßt uns unsere Unterkunft innen anschauen. Nach einer minute waren wir wieder draussen. Ich habe ja schon viele Unterkunfte gesehen, durch das Tourguiden, aber das war nicht nur unakzeptabel sondern auch noch frech dafür Geld zu nehmen. Sie hatte uns im Vorgesräch gebeten den Hund nicht auf die Möbel zu lassen, ich glaube Trixi  wäre dreckiger wieder davon runter gesprungen. Telefonisch war sie nicht zu erreichen und so haben wir beschlossen wieder zurück nach Himevill zu fahren und dort etwas zu suchen. In jeder anderen Zeit ja, aber zu Weihnachten? Ich hatte schon einmal in diesem Ort übernachtet und so sind wir gerade zu ihr gefahren – Kette vor dem Tor, niemand zu Hause. Danach noch drei oder vier andere abgeklappert – nichts. Das letzte was wir versucht haben war eine Nummer die an der Strasse stand und zum ” Rosewood” Cottage gehörte. Also angerufen und natürlich einen Absage bekommen. Eine Minute später klingelte mein Telefon und Lis von eben diesem Cottage war dran. Sie hat noch zwei Challes für zwei Nächte aber ohne Frühstück. Genau was wir brauchten, Essen hatten wir eh für vier Wochen mit. Also rein, selbst Trixi wurde herzlich begrüßt obwohl sie drei Hunde hatten. Die Challees waren mit allem was man braucht ausgestattet, saubere rießige Betten, Fernseher, kleine Küche komplett und und und. Und nur 20 Rand teurer als das was wir gebucht hatten. Wir glauben das da “oben” doch etwas ist was sich später noch einmal bestätigen sollte.

Der erste Tag war angenehm ruhig nach dem Weihnachtsverkauf mehr als willkommen. Selbst ein Mittagsschläfchen war drin. Wann hatten wir eigentlich den letzten? Noch einen kleinen Abendspaziergang um sich auf das Essen ” vor zubereiten”. Abends dann einen Braai mit ein,zwei…Bier und die Welt war absolut in Ordnung.

Am nächsten Tag sind wir ins Königreich Lesotho, mit einem 4X4 Allrad. Den braucht man auch um die etwa 30%ige Steigung auf fast 3000 meter zu schaffen. Ich war dieses mal das dritte mal oben aber was dieses mal am Pass los war hatte ich so noch nicht gesehen oder gehöhrt. Wanderer. Radfahrer, Quadbikes, Motocrossmaschinen, Allradfahrzeuge, alle auf der einspurigen mit Felsbrocken nur so übersähten Piste. Hat sich aber wie immer gelohnt und nicht nur wegen der Aussicht. Da hatten wir den wirklichen Weihnachtsverkehr! Wir sind auf dem Hinweg an einer Bergkette vorbei gekommen die sich die ” Zwölf Apostel” nennt. Am Kap gibt es eine ähnliche Kette die sich genau so nennt. Und so ist Südafrika das einzige Land der Welt das über 24! Apostel verfügt!

Oben angekommen besuchten wir wie jedesmal eine der dort lebenden Familien. Und wie immer brachten wir viele Sachen mit und kamen uns dieses mal vor wie der Weihnachtsman, auch ohne rote Mütze. Ihr müßt wissen das da oben weder Bäume noch Sträucher wachsen und es ist eine Hochebene die von April bis September für Menschen eigentlich unbewohnbar ist. An den Bildern könnt Ihr sehen wie sie leben und doch sind sie auf ihre Art zufrieden. Die nächst größere Stadt mit Krankenhaus und Schulen liegt 45 km entfernt.

Dann gings ab ins höchste Pup Afrikas. Natürlich jede Menge Leute die alle super drauf waren und trotzdem hatten wir unser Essen innerhalb einer halben Stunde, rekordverdächtig für afrikanische Verhältnisse. Kurz bevor wir wieder abgefahren sind hatte es angefangen zu regnen. Da gab es nur eins, die Bremsen noch einmal kontrollieren und ein Stoßgebet Richtung Himmel loslassen. Alles ist gut gegangen. Unser, dieses mal schwarzer Fahrer, hatte seinen Job und sein Auto, wirklich im Griff. Kein Wunder er fährt diese Strecke seit fast drei Jahren jeden Tag! bei jedem Wetter. Für mich unvorstellbar weil man in diesen Fahrzeugen, besonders auf den hinteren Sitzen, so durchgeschüttelt wird das man ein normales Schütteltrauma schon für normal halten könnte. Abends gab es wieder einen Braai, dieses mal mit echt ” Thüringer Bratwürsten” die wir extra aus Kapstadt!! haben mit bringen lassen. Wir haben unsere Wirte natürlich eingeladen und die waren begeistert. Sie haben uns dann erzählt das sie eigentlich über Weihnachten ihre ” Ruhe ” haben wollten. Doch scheinbar haben sie schon ein.-oder mehrere mal gute Erfahrung mit Deutschen gehabt und so haben sie sich entschieden uns doch die beiden Challes zu vermieten nachdem sie an meinem Dialekt gehört haben das wir solche sind.

Der nächste Tag hatte es in sich, vor allem des Wetters wegen. Wir hatten Sonnenschein, blauen Himmel, Regen, Hagelschauer und Sturmböen das der Regen waagerecht! an uns vorbei ist. Aber von Anfang an. Früh sind wir bei Sonnenschein, zur Quadbikestation gefahren, nur wenige kilometer von uns entfernt. Quadbikes sind vierrädrige Geländemotorräder. Wenige minuten bevor wir losgefahren sind hat es angefangen zu regnen. Also Regenjacken an und los. Noch nicht mal richtig auf der Piste hatte es wieder aufgehört, doch es war genug um einige richtig schöne und große Pfützen zu hinterlassen. Und das hat nicht nur unseren Jungs Spass gemacht. Die ersten zwei haben wir  noch umfahren aber dann…. Sie konnten nicht groß und tief genug sein! Irgendwann war es dann egal wie wir aussahen, mehr Dreck ging einfach nicht mehr an unsere Quads und uns selbst. Eine Stunde an die Südafrikanische Grenze und eine wieder zurück, Fun pur! Kurz nach dem wir wieder zurück sind hat es unser “Bruder Leichtsinn”, nein nicht Deni, sondern Marcus, fertig gebracht sein Quad zum Überschlag zu bringen. Er ist kurz vorher, durch seine Länge, geschickt abgesprungen und hat ein paar meter im Laufstil zurück gelegt. Es ist aber nicht viel passiert und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Direkt an der Piste war ein Wasserfall der zum sauber machen und zur Erfrischung mehr als geeignet war. Strahlender Sonnenschein und 28 grad, könnt Ihr Euch bessere Bedingungen vorstellen? Allerdings haben wir uns einige Stellen an unseren Körpern mächtig verbrannt, heraushängede Arme, abstehende Körperteile ( Nasen ) und nicht bedeckte Knie und Beine. Die Haare hatten sich inzwischen durch Wind, Staub und Lehmwasser ihre eigenen Form gesucht und auch gefunden. Jeder Hairstylist wärte stolz auf eine solche ” Frisur” gewesen. In unserer Unterkunft haben wir uns alle erst einmal erneuert, geduscht und natürlich die Haare wieder gelegt, was für ein Irrsinn, denn jetzt sind wir zum ” Tubing” gefahren. Tubing heist in einem aufgeblasenem Autoreifen den Fluss runter fahren. Immer noch strahlender Sonnenschein aber schon leicht bis mittelschwer bewölkt. Das Wasser war wärmer als wir angenommen hatten, etwa 18 grad, was für Bergverhältnisse schon Pooltemparatur bedeutet. Die Fahrt sollte etwa eine Stunde dauern. Wir wurden zu der Stelle im Fluß gefahren und sollten auch wieder abgeholt werden. Also rein in den Umzimkulu River, den ersten Kälteschock überwunden und haben uns schön leicht treiben lassen von der Strömung. Da wir mit dem Gesicht richtung Himmel getrieben sind haben wir schon bald die ” Bescherung” gesehen, es war ja auch Weihnachten. Eine rießige dunkle Wolke kam genau über uns und nach 10 minuten fing es an zu regnen. Die Temperatur fiel auf minus 45 grad (etwas übertrieben) und wir hatten keine Chance an Land zu kommen, warum auch, die Handtücher und die warmen Sachen warteten ja in unserem Kombi, etwa 500 Flußbiegungen ( so kam es mir vor) entfernt. Da die Strömung sehr unterschiedlich war, war Kerstin und die Jungs einmal 100 meter vor mir und einmal 100 meter hinter mir. Nur an den Stromschnellen mußte man aufpassen sonst wäre die Badehose an einem der Felsen hängen geblieben. Da gab es nur eins, den Hintern so weit wie möglich aus dem Wasser raus. Irgendwann, nach erreichten 32 grad Körpertemparatur, haben wir es doch geschafft an Land zu paddeln. Halb durchgefroren und mit Schwimmhäuten zwischen Zehen und Fingern haben wir das Ufer erreicht und es hatte natürlich aufgehört zu regnen!

Wieder in trockenen Sachen gings gerade ums Eck in eine kleine Tierfarm mit Gaststätte. Gerade aus dem Auto ausgestiegen sagte ich zu Marcus ” Schau mal da hinten das sieht aber recht grau aus”. In Wirklichkeit war es eines der dunkelsten Grau`s das ich je gesehen hatte und es kam, wie sollte es anders sein, direkt auf uns zu. Den Tisch außen, den wir uns aussuchten, wurde noch vom letzten Regen trocken gewischt und wir konnten noch unsere Getränkebestellung aufgeben als der Sturm losbrach und wir unsere Hintern wieder in Sicherheit bringen mußten, nun schon das zweite mal an diesem Tag. Der Sturm war so stark das alles! was nicht mit unserer lieben Mutter Erde fest verankert war sich zur nächsten Farm auf und davon machte. Kurz darauf fing es an zu regnen. Den Sturm schätze ich so auf 90 km/h und so flog das Wasser waagerecht an uns vorbei. Alle Türen und Fenster wurden verbarrikadiert und alle glaubten das ” Jüngste Gericht ” bricht über uns herein. Das Wasser wurde zur Tür herein gedrückt und die Wirtin hatte zu tun alles mit Handtüchern einigermaßen abzudichten. Jeder stand am Fenster um dieses nicht alltägliche Schauspiel zu sehen und jeder hoffte das sich die Hütte nicht mit auf den Weg macht. Wir wußten schon vorher das sich das Wetter in den Drakensbergen schnell ändern kann aber dieser Tag hatte es wirklich in sich. Nach fast einer halben Stunde hatte ” Er ” ein Einsehen und hat die Schleußen wieder geschlossen und den Monsterventilator abgestellt. Wieder schönes Wetter und als sei nichts gewesen außer viel Wasser und die Nachbarfarm von der anderen Seite lag natürlich jetzt bei uns.

Am späten Nachmitteag haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht. Blauer Himmel, schneeweise Wattewolken, also perfekte Bedingungen. Leider nur 20 minuten denn wir fuhren geradewegs in die nächste Gewitterfront hinein. Die, wieder dunkelgrauen, Wolken reichten dieses mal bis zu Erde runter und es fing erst an zu regnen der sich wenig später in kleine Eisgeschosse verwandelte. Ich habe schon die Windschutzscheibe auf meinen Beinen liegen sehen. Ging aber alles gut und bis zur Küste wechselten sich Regen und Wind ab und es blieb grau in grau.