Frühlingszeit ist traditionell Städtereisezeit! Gesagt, getan und so verbrachten wir im Mai ein paar schöne Tage in Amsterdam. Die niederländische Stadt an der Amstel stand, obwohl von Norddeutschland aus auch mit dem Auto schnell zu erreichen, das erste Mal auf unserer Agenda und so waren wir gespannt, was uns in der Hauptstadt unseres Nachbarlandes erwarten würde.

Schon in der Vorbereitung auf die viertägige Tour über Pfingsten wurde klar: Amsterdam ist kein billiges Pflaster. Das gilt sowohl für die Essenspreise, als auch für die Hotelübernachtungen. Ein einigermaßen akzeptables Quartier fanden wir im HEM Hotel im Nordwesten der Stadt, nahe Nieuwe Sloten. Das drei Sterne-Haus ist eine typische Touristenunterkunft mit zwar wenig Charme dafür aber (für Amsterdam) günstigen Nächtigunsgpauschalen inklusive Frühstücksbuffet und Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr.

Unser Besichtigungsprogramm begann mit einem Klassiker: einer einstündigen Grachtenfahrt. Beim gemütlichen schippern über die Wasserstraßen der Metropole erhält man bereits einen ersten Einblick in die Stadtgeschichte und lernt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten innerhalb des Zentrums kennen. Die charakteristische Architektur Amsterdams, die sich in den Grachtenhäusern widerspiegelt, sticht sofort ins Auge. Obwohl sich die Häuser durch ihre Giebel und Fassaden unterscheiden, merkt man an jeder Ecke der Altstadt sofort: man ist im Amsterdam. Hausboote und „Fietsen“, wie die Fahrräder hier genannt werden, vervollständigen das klischee- aber nichtsdestotrotz atmosphärische Bild.

Amsterdam ist multinational. An jeder Ecke hört man die verschiedensten Sprachen der Besucher und Bewohner aus allen Teilen der Welt. Englisch begegnet einem, auch auf Plakaten, Werbungen und in den Geschäften fast noch öfter als die niederländische Sprache. In vielen Museen und Restaurants spricht man darüber hinaus Deutsch, jedoch sollte der Besucher diesen Umstand nicht als selbstverständlich voraussetzen, sondern erstmal freundlich auf Niederländisch oder Englisch nachfragen. Wer das typisch „holländische“ vermisst, muss in eines der vielen „Pannkoeken“-Restaurants gehen, in denen es das niederländische Nationalgericht in diversen Variationen gibt. Auch ein Besuch im „Tulip Museum“ oder auf dem „House Boat Museum“ geben Einblicke in die nationale und lokale Kultur.

Ein unbedingtes „Muss“ ist neben den zahlreichen Kunstmuseen Amsterdams das „Anne Frank Huis“. Das jüdische Mädchen, das durch ihr Tagebuch den Opfern des deutschen Nationalsozialismus ein Gesicht gegeben hat, versteckte sich mit ihrer Familie über mehrere Jahre in einem Haus an der Prinsengracht vor den Nazis. Das Museum dokumentiert die Lebensumstände Anne Franks während der Zeit im Versteck und setzt diese mit Originalpassagen aus dem Tagebuch in Beziehung. Besonders unter die Haut geht eine Stelle an einer Wand, an der Vater Frank mit Strichen das Wachstum seiner Töchter während des Exils dokumentierte. Ein sehr eindrückliches, gradliniges Museum, das verdeutlicht, dass hinter jedem Opfer des NS-Terrors eine Geschichte steht und zum Nachdenken anregt.

Nicht zu empfehlen ist indessen der Besuch der „Heineken Experience World“. Für 15 Euro Eintritt wird man über eine Stunde lang mit Heineken-Werbung berieselt. Über die Geschichte der Brauerei, bzw. den Vorgang des Bierbrauens erfährt man nur sehr wenig, stattdessen erwartet die Besucher eine multimediale Marketingshow. Da können auch die drei Bier, die im Eintrittsgeld enthalten sind nicht wirklich trösten. Bei schönem Wetter lieber die Zeit im Grün des Vondelparks oder auf dem Dach des Wissenschaftsmuseums NEMO verbringen, von dem man, bei Beach Club Atmosphäre, einen grandiosen Blick über die ganze Stadt genießt.

Absoluter Höhepunkt unserer Amsterdam-Tour war dann die Rückkehr auf das Wasser der Grachten. Diesmal wollten wir aber selber Kapitän sein und mieteten uns ein elektrobetriebenes Motorboot. An den Wochenenden ist Gott und die Welt auf den Grachten unterwegs. Pausenlos begegneten uns junge Leute mit eigenen Gefährten, die auf den schmalen Wasserstraßen sich und das Leben feierten. So also auch wir. Vorsicht ist in der Enge nur vor den großen Ausflugsschiffen, die immer Vorfahrt haben geboten. Doch wenn die Sonne langsam am Himmel sinkt, merkt man, dass Amsterdam wirklich auf dem Wasser am schönsten ist.