Dann kam der Tag an dem wir wieder einmal auf Tour gegangen sind, dieses mal nur vier Tage und es ging ohne jede Überraschung, weder gute noch schlechte, los. Ich habe mir dieses mal nichts besonderes versprochen zumal wir alles schon kannten und alles was wir vor hatten schon einmal wenigstens unternommen hatten… weit gefehlt. Auf unserem Plan stand nach Himeville zu Liz zu fahren, mit dem Quadbike hoch nach Lesotho, eine Wanderung in die Drakensberge zu unternehmen und wir wollten Tubing ( auf einem aufgeblasenem Autoreifen sich den Umzimkulu River hinunter treiben lassen) weiter nichts. Bei Liz waren wir zum ersten mal mit den Jungs zusammen Weihnachten 2006.
Am ersten Tag fuhren wir zum ” Howikwasserfall” der 96 meter hoch ist, durchstöberten alle Läden dort, ich natürlich in jeden Antikladen auf der Suche nach alten Uhren, und hatten alle Zeit der Welt. Ein Privileg an diesem Tag das wir sonst so nicht hatten und so richtig ausgekostet haben. Selbst das Mittagessen konnten wir in die Länge ziehen, wo ich eigentlich immer so tue als ob ich “auf der Flucht” bin. Alles muß schnell gehen um weiter zu kommen. Die Fahrt in die Berge war wiedermal ein Genuß.
Am nächsten Tag gings dann mit dem Quad hoch auf fast 3000 meter nach Lesotho. Es waren wieder einige, zum Teil große Felsbrocken auf die Strecke gefallen. Einer von ihnen war so etwa 2X1 Meter und mindestens 2 Tonnen schwer. Ein Spassvogel hatte zwei Gummistiefel darunter geschoben und eine leere Flasche Bier daneben gestellt. So sah es aus als es einen armen Schlucker erwischt hat und darunter liegt. Die Berge zogen sich immer weiter zu und es sah aus als ob es jeden Augenblick anfangen wollte zu regnen, warum auch nicht. Wir hatten ja auch keine Regenjacken mit. Von oben konnten wir einen super Ausblick geniessen, jedenfalls etwa 10 minuten. Innerhalb weniger! Augenblicke drückte die Wolkendecke alles um uns herum in dichten Nebel, die Temperatur stürzte noch einmal in den Keller und man konnte fast die Hand nicht mehr vor Augen sehen. Wir verzogen uns nach innen wo in einem offenen Kamin schon das Feuer loderte und es richtig gemütlich warm war. Stellt Euch nur eine der urigen Skihütten vor. So schnell wie das Wetter gekommen war war es auch wieder weg.
Nach einem kurzen Besuch bei einer dort lebenden Familien, wo weder Baum noch Strauch wächst, galt es wieder die über 1100 Höhenmeter nach unten zu überwinden. Nach über 4 Stunden rütteln und schütteln haben wir die Basisstation alle wohl behalten wieder erreicht.
Am kommenden Tag wollten wir einen Fußmarsch in die Berge unternehmen. Nach einer Stunde Fahrt kamen wir am Parkplatz an, trugen uns in die Liste ein und bekamen einen Plan, einen einfachen nur aber immerhin. Auf diesem wurde auch gewarnt das diese Tour nichts für Kleinkinder, ältere Personen und Leuten mit Kniebeschwerden ist. Zwei von diesen Punkten habe ich erfüllt und bin trotzdem mit los. Da ich den Weg zur ” Pillarhöhle” schon kannte entschied ich mich zur ” Sleeping Beauty” ( Schlafende Schönheit) zu gehen. Der sollte etwa 4-5 Stunden dauern und so liefen wir frohen Mutes los, wenn wir zu diesem Zeitpunkt gewußt hätten… Die ersten zweieinhalb km waren angenehm zu laufen, fast nur flaches oder leicht ansteigendes Gelände. Plötzlich hörten wir Rufe und Schreie ganz in unserer Nähe und ich wußte sofort, das waren Baboons, Paviane. Eine ganze Horde war etwa 50 meter über uns und sie gingen in die selbe Richtung wie wir! Irgendwann haben sie sich aber getrollt und wir konnten sie nicht mehr sehen. Wir hatten wieder Zeit und Ruhe die Natur und die Berge zu geniessen jedenfalls einige hundert meter. Dann waren sie noch näher etwa 30 meter und uns trennte nur noch ein Wasserlauf. Diese mal blieben sie auf ihren Bäumen aber dafür mußten wir das Wasser überqueren, was auch auf dem Plan stand. Was nicht drauf stand war, daß wir diesen sechs! mal auf dem Hinweg und genauso oft auf dem Rückweg überqueren mußten. Wir kamen immer weiter in die Berge und an diese heran. Neben uns türmten sich diese mindestens hundert Meter auf. Das Gelände wurde immer steiler und auf dem letzten kilometer mußten wir etwa sechshundert Höhenmeter überwinden. Es war die reinste Klettertour und wir sahen kein ende. Über Leitern und notdürftig in den Fels gehauene Stufen ging es immer höher. Zweimal entschlossen wir uns umzukehren doch der innere Wille es doch noch zu schaffen lies uns alle nicht aufgeben. Wir wußten es konnte nicht mehr weit sein, vielleicht nur noch wenige meter… Dann kam der Tiefschlag für uns. Uns entgegen kam ein junges Paar die schon auf ihrem Rückweg waren und ich fragte sie wie weit es denn noch wäre. Als sie dann sagten ” Es ist nicht mehr weit, nur! noch etwa 20 minuten” war unsere Bergsteigermoral am Boden. Nach einer kurzen Lagebesprechung und der Auskunft das es sich lohnen würde rafften wir uns wieder auf um den letzten Teil zu bezwingen.
Es hatte sich wirklich gelohnt! Ein großer überhängender Felsen bildete eine riesige Höhle durch der der Fluss hindurch rauschte den wir vorher so oft durchqueren mußten. Herabgestürztes Geröll und einige größere! Felsbrocken versperrten ihm dabei den Weg und bildete dadurch ein phantastisches Naturschauspiel. Als ich nach oben blickte hatte ich nur einen Gedanken… wenn der jetzt abbricht…aber er hielt , jedenfalls so lange wir da waren. Da aber auch der größte Genuss irgendeinmal zu ende geht gings jetzt an den schwierigsten Teil, den Abstieg. Schon nach den ersten Schritten abwärts gaben mir meine Beine und vor allem die Kniee deutlich zu verstehen ” So nicht!!” Viele Stufen waren bis zu 50 cm hoch und jeder einzelne Tritt war ein Tritt durch die Hölle. Eins habe ich allerdings hier in den letzten neun Jahren gelernt, wenn du keine Wahl hast mußt du durch. Und so war der Abstieg ein Gang durch ein Gewitter mit immer wiederkehrenden Blitzeinschlägen, Hagelschauern von der Größe von Golfbällen und Gedonner von der allerfeinsten Sorte, vom Höllenfeuer einmal abgesehen. Selbst als es auf die flachen Strecke ging wollte das Gewitter in den Beinen nicht aufhören.
Wiedereinmal trafen wir unsere ” Freunde”, die Paviane, dieses mal allerdings genau vor uns und wir hatten keine andere Wahl, wir mußten an ihnen vorbei und es war ihr! Revier. Vorsichtshalber hatten zwei Schirme mitgenommen die wir jetzt wie stolze Krieger als Speere vor uns hertrugen, sie oder wir! das war das Motto. Der Himmel zog sich immer weiter zu und es roch schon nach Regen. Zu warten das sie das Feld freiwillig räumen blieb also keine Zeit. Sie haben wohl gewußt das sie keine Chance gegen uns hatten und haben es vorgezogen sich in Felsnieschen und anderswo zu verstecken. Jedenfalls war es das letzte mal an diesem Tag das wie sie gesehen haben.
Jeder bot mir seine Hilfe an und wollte mich stützen aber der Weg war nur für eine Person breit und war ziemlich tief eingetreten. Selbst als wir dann unsere Basisstation schon von weitem aus sehen konnten war sie doch noch so!! weit weg. Ich gab den Autoschlüssel freiwillig! ab was sehr, sehr viel bedeutet und ich freute mich schon auf die hinterste Sitzbank wo ich es mir gemütlich machen konnte. Dieser Gedanke lies mich die letzten fünfhundert meter bis zu unserem Auto ganz gut überstehen. Ihr werdet es nicht glauben, von dem Augenblick an von dem ich im Bus saß waren die Schmerzen wie weggeblasen und haben sich bis heute… wahrscheinlich bei jemanden anderen eingenisstet.
Am Abend fragten uns unsere Wirtsleute ob wir schon einmal eine ” Canopytour” mitgemacht hätten. Wir hatten noch nicht einmal die leiseste Ahnung was das überhaupt war und so verneinten wir. Sie erklärten uns das mitten im Wald einige Plattformen errichten wurden die mit Seilen verbunden sind und man sich an Seilen von einer zur anderen bewegt. So richtig konnten wir uns alle kein Bild davon machen, wollten es uns aber einmal ansehen. Auf der Karte entdeckte ich einen eingezeichneten Wasserfall der direkt an der Strecke zu dieser Tour lag und so beschlossen wir den nächsten Tag nicht gleich nach Hause zu fahren sondern noch den Wasserfall und die Canopytour mitzunehmen. Für das ” Tubing” war es eh zu kalt an diesem Tag.
Was für ein Tag!! Zunächst sind wir wieder raus aus den Bergen und am Howickwasserfall, den wie auf unserer Hinfahrt gesehen hatten, vorbei. Nach Howick waren es etwa noch 30 km bis zur Canopytour und auf halber Strecke sollter der Karkloofwasserfall sein. Als wir aus dem Ort heraus waren sahen wir um uns herum nur abgebrannte Wälder, aber kein Mischwald sondern angelegte Nutzholzbaumplantagen. Teilweise bis 15 meter hoch alles verbrannt, kilometerweit. Wir stellten die möglichsten und unmöglichsten Theorien auf und waren am ende genauso schlau wie vorher, die Lösung kommt später.
Ein einziges Schild zum Wasserfall, naja besser wie gar nichst. Wir mußten durch die abgebrannten und schon zum Teil gefällten Waldteile durch und fuhren und fuhren ohne das wir noch einmal einen Hinweis bekommen hätten. Wir glaubten schon nicht mehr ihn je zu sehen zumal er auf der Karte direkt neben der Strasse! eingezeichnet war. In Afrika sollte man eben nicht alles so genau nehmen. Geduld wird aber auch hier belohnt und so kamen wir am “Ende des Tunnels” an und uns bot sich einer der schönsten Szenarien die ein Wasserfall in der Natur hervor bringen kann. Etwa 100 meter vor uns ein tiefes, grünes Tal in das das Wasser, nicht ohne vorher in mehreren kleinen Stufen, dann etwa 60-70 meter tief hinunter stürzte. Man konnte den Blick einfach nicht abwenden. Keiner von uns wollte freiwillig diesen Platz wieder verlassen und wir wären wahrscheinlich heute noch da wenn nicht diese ” Canopytour” noch gewesen wäre.
Auf der Rückfahrt vom Wasserfall trafen wir dann ein paar Waldarbeiter und wir wollten jetzt endlich wissen was passiert war und fragten sie. Sie erklärten uns das im vergangenen Jahr ein riesieger Waldbrand gewütet hat und dabei über 20000 Ha Wald vernichtet hat. Unglaublich aber leider wahr. Es sah teilweise aus wie auf einem anderen Stern und viele Jahre für die Besitzer einfach verloren.
Der Weg zur nächsten Attraction war einfach, weil gut beschildert und es war schließlich kommerziell und wenn es ums Geld geht muß schon die Beschilderung stimmen. Erst mal angekommen wurden wir begrüßt und in eine Hütte geführt in der wir eingewiesen wurden und wir die ersten Bilder zu sehen bekamen was uns eigentlich erwartet. Eine andere Gruppe hatte gerade die Tour hinter sich und wir fragten wie es gewesen wäre. Ein älterer Herr war wohl etwas sprachlos und mehr als das Gesicht in unverständliche Grimassen verziehen haben wir aus ihm nicht herausbekommen. Auf den Bildern waren Leute zu sehen die an Seilen irgenwo zwischen Baumwipfeln hingen.
Hier nun eine kurze Beschreibung. Auf einer Länge von etwa 1,5 kilometer wurden insgesamt 9 Plattformen, zwischen 2 und etwa 15 meter Höhe errichtet. Diese sind durch Stahlseile verbunden an denen wir entlanggleiten sollten. Jede der Plattformen war etwa 4m2 groß und mußte Platz haben für 6 bis 7 Leute. Wir bekamen eine art Kletterausrüstung angelegt, Helme aufgesetzt und Handschuhe mit verstärkter Innenhandfäche angelegt. Diese Handschuhe waren die einzige Bremse die uns zur Verfügung stand. Mit einem Pickup gings hoch zu ersten Plattform. Nochmal eine Einweisung und dann gings los. Die nächste Plattform war nur 20 meter entfernt und nur zum Üben! da.
Dann gings richtig los! Unsere Gurte wurden an zwei Seilen in zwei kleine Stahlrollen die auf den Seilen befestigt wurden eingehängt und fertig waren wir. Jetzt noch ein ” Vater unser” und es konnte abgehen. Die dritte war schon 90 meter von der zweiten entfernt und wir konnten diese schon gar nicht mehr sehen. Mit Vollspeed gings los und nur der Handschuh war zum bremsen das. Das der Handschuh durchbrennen konnte hatte ich ständig im Hinterkopf und so kam es das ich einmal zu spät oder besser gesagt nicht stark genug bremste und gegen die Plattform krachte auf der schon Kerstin und die anderen standen. Die vierte war direkt an einen Felsen gebaut und man hatte eine Aussicht in das vor uns liegende Tal das es uns den Atem nahm. Nicht nur wegen des Blickes sondern auch wegen der Höhe. Die fünfte war die längste, 180 meter lang! an Bäumen vorbei. Da das Seil auf dieser Länge ziemlich durchhing bekamen wir die Instruction nicht zu früh zu bremsen sonst würden wir es nicht auf die nächste schaffen. Nichst lieber als das, jetzt wissen wir wie sich Tarzan im Urwald gefühlt hat.
Auf jeder Plattform hatten wir also ankommende und abgehende Seile, nicht auf dieser. Wir sahen uns alle verständnislos an und hatten keinerlei Erklärung. Die nächste, die wir nicht sehen konnten, war direkt unter uns, 12 meter tiefer! und keine Leiter! Es gab nur eine Möglichkeit dahin zu gelangen….abseilen. Keine Angst, alles gut gegangen, die Jungs waren echte Profis. Die nächste war etwas besonderes, wie jede zuvor auch. Sie war etwa 8 meter von einem 50 meter hohen Wasserfall entfernt errichtet worden, genial. Auf der letzten Etappe fühlten wir uns dann schon selber wie Profis. Es war einfach atemberaubend, nur wie immer leider viel zu kurz.
Dann gings wieder zurück nach Hause und zur Arbeit. Wie wir uns “gefreut” haben könnt Ihr Euch sicherlich gut vorstellen…
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