Vietnam ist in der touristischen Landschaft noch ein relativ junges Reiseziel. Zwar boomt der Tourismus seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes vor einigen Jahren und allenortens stellt man sich auf die Besucher ein, doch ist Vietnam im Vergleich zu Thailand und anderen asiatischen Destinationen noch weitaus ursprünglicher. Wer diese Authentizität noch kennen lernen möchte, sollte sich sputen, denn überall schießen neue Urlaubsunterkünfte wie die Pilze aus dem Boden. Wer sich für einen Urlaub in diesem einmaligen Land entscheidet, dem sei die kleine Stadt Hoi An wärmstens ans Herz gelegt. Hier verbrachte ich im Sommer letzten Jahres zwei wunderschöne Urlaubswochen mit meinem Freund.

Vietnam nimmt seine Besucher vom ersten Augenblick an gefangen. Wenn es eine Farbe gibt, die für das Land steht, dann ist das definitiv „Grün”, das wurde mir bereits beim Landeanflug auf den Airport Danang in Zentralvietam klar. Von hier aus ging es entlang der strandgesäumten Küste in das ca. 60 Kilometer entfernte Hoi An. Die Kleinstadt blieb wie durch ein Wunder während der Kämpfe des Vietnamkriegs verschont und präsentiert sich als kulturelles Kleinod. Bis in das frühe 19. Jahrhundert war die Stadt einer der wichtigsten Handelsplätze in Fernost. Andere asiatische Nationen, vor allen Dingen die Chinesen, sowie die Kolonialmächte, gründeten Niederlassungen in der Hafenstadt am Thu Bon River. Und so präsentiert sich Hoi An heute als äußerst reizvoller Mix aus vietnamesischer, chinesischer und kolonialer Architektur.

Unser Quartier war das Life Heritage Resort, ein vier Sterne Hotel mit großzügigen Zimmern und einem vorbildlichen Service, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Es liegt direkt am Fluss, nur wenige hundert Meter von der historischen Altstadt entfernt, die ein UNESCO-Weltkulturerbe ist. Obwohl die Küche in unserem Quartier mehr als exquisit war, sind wir jeden Abend in das Zentrum gegangen, um in den lokalen Restaurants zu essen. Die Gerichte, die uns zu einem schmalen Preis serviert wurden, waren zumeist ein Gedicht und haben bewiesen, dass die vietnamesische Küche zurecht den Ruf genießt, eine der besten der Welt zu sein. Am besten hat es uns in den Lokalen geschmeckt, in denen auch die Einheimischen speisten und die ihre Speisekarte nicht extra dem Geschmack der zumeist australischen Reisenden angepasst hatten.

Wer nach Hoi An reist, sollte einen leeren Koffer mitbringen, denn in der Stadt gibt es zahlreiche Schneider, die ihre Dienste anbieten. Nach Vorlagen aus westlichen Katalogen schneidern die Virtuosen der Nadel innerhalb von nur einem Tag jegliches Kleidungsstück, von Hemden und Röcken bis hin zur pikfeinen Abendgaderobe. Für die maßangefertigten Stücke zahlt man zudem deutlich weniger, als für Vergleichbares von der Stange in europäischen Ländern. Für Schuhe gilt im Übrigen das Gleiche.

Das Schöne ist, das man in Hoi An Kultur und Strandurlaub in einem genießen kann. Neben den zahlreichen Sehenswürdigkeiten vor Ort, wie Chinesischen Tempeln, Kaufmannshäusern und der Japanischen Brücke, liegen auch die alte Kaiserstadt Hue, die Marmorberge und die Ruinen einer Tempelstadt der Cham, My Son, in Ausflugsweite. Das herrliche chinesische Meer kann man am nur wenige Kilometer entfernten Strand von Cua Dai genießen. Der langgezogene, palmengesäumte Küstenabschnitt bietet klares Wasser und feinen Sand.