Im Zuge unserer letzten Urlaubsfahrt nach Mecklenburg-Vorpommern, haben wir auch der größten deutschen Insel Rügen einen Besuch abgestattet. Einmal vor Ort wollten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, eine der größten natürlichen Sehenswürdigkeiten Rügens in Augenschein zu nehmen: die Kreideküste.Von nahezu jedem Ort auf der Insel sind der Nationalpark Jasmund und die berühmte Stubbenkammer, eine der spektakulärsten Punkte der Steilküste, bestens ausgeschildert. Einmal im Nordwesten Rügens angekommen endete unsere Fahrt jedoch unwillkürlich vor der schrankenbewährten Einfahrt des Parkplatzes Hage. Etwas verdattert zogen wir ein Parkticket über dessen Preis von 1,50 Euro/Stunde uns eine Hinweistafel unmittelbar vor den Schranken (umdrehen war hier nicht mehr möglich) informierte.

Nach dem Abstellen unserer Fahrzeuges wurde uns klar, das wir noch längst nicht am Ziel waren. Von der legendären Stubbenkammer trennten uns entweder ein drei Kilometer langer Wanderweg durch den Nationalpark oder ein viertelstündiger Shuttle-Transfer mit einem Bus zum Preis von 1,30 Euro (einfache Fahrt). Gerade wollten wir uns per Bus auf dem Weg machen, als uns eine kleinere, etwas versteckte Übersichtskarte ins Auge fiel. Zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass sowohl Wanderweg als auch Busfahrt vor dem Kassenhäuschen des neugebauten Nationalparkhauses endeten. Hier wird ein weiteres Salär von etwa sechs Euro fällig. Ein kurzer Blick in den Reiseführer bestätigte uns: nur über das Gelände des Informationszentrums gelangt man überhaupt auf die Plattform des berühmten Königsstuhls.

Ernüchtert ob der Tatsache ständig erneut zur Kasse gebeten zu werden, entschieden wir, den Parkplatz zu verlassen, um etwas weiter südlich einen Blick auf Steilküste zu werfen. Doch alle Straßen, an denen man in Richtung Meer hätte fahren können, waren mit Baumstämmen abgesperrt worden. Ebenso gab es keine Möglichkeiten das Auto an gebührenfreien Stellen abzustellen (überall entlang der Straßen und Buchten waren Halteverbotsschilder aufgebaut), um den Weg zu Fuß fortzusetzen.

Als wir schon verzweifelt aufgeben wollten, entdeckten wir schließlich kurz vor Sassnitz ein kleines Straßenschild mit den Aufschriften „Waldhalle” und „Wissower Klinken”. Über eine abenteuerliche Kopfsteinpflasterstraße (der Weg ist wirklich nichts für Leute mit schwachen Nerven und tiefer gelegten Autos!) führte eine etwa drei Kilometer lange Strecke mit zahlreichen Windungen durch den Wald. Als wir schon fast aufgeben wollten, weil nicht erkenntlich war, wie viel Schlaglöcher noch vor uns liegen würden, tauchte auf einmal rechter Hand ein kleiner Gasthof mit (gebührenfreiem!) Parkplatz auf. Von hier aus sah man bereits die Ostsee leuchten und tatsächlich: nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald erreichten wir einen Aussichtspunkt, von dem man einen wunderschönen Blick auf die „Wissower Klinken” und die Kreideküste genießen konnte. Auch ohne Königsstuhl ein erhabener Anblick!

Im Anschluss sind wir natürlich noch in der Waldhalle einen Kaffee trinken gegangen. Schließlich verdankt man es auch diesem kleinen Gasthof, dass die berühmte Steilküste von Rügen zumindest an einer Stelle weiterhin gebührenfrei zugänglich ist.