Familien Skireise vom 8. März bis 16. März 2008
Nachdem wir unsere Urlaubsziele in den letzten Jahren aufgrund unseres Familiennachwuchses vorzugsweise in gut mit dem Auto erreichbare Sommerreiseziele gelegt hatten, wollten wir dieses Jahr das erste Mal mit unseren beiden Kindern in den Skiurlaub fahren. Die Gelegenheit dazu war auch sehr günstig, denn wir hatten die Möglichkeit, uns einer Gruppe anzuschließen, die schon mehrfach in einem kinderfreundlichen Skigebiet in Südtirol gewesen war und in der auch mehrere gleichaltrige Kinder mitfuhren, unter anderem auch zwei Kindergartenfreunde unserer Kinder.
Tag 1: Mit diesen besten Voraussetzungen ging es dann also am 08. März 2008 früh morgens zum Hamburger Hauptbahnhof. Unser fünfjähriger Sohn war so aufgeregt, dass er die halbe Nacht vorher nicht schlafen konnte. Skiurlaub und dann auch noch ICE fahren – das hatte ihn offensichtlich in seiner Vorfreude bis in seine Träume verfolgt. Pünktlich um 9 Uhr fuhr der ICE nach München ein und nachdem alle die – zum Glück vorreservierten – Plätze gefunden hatten, hieß es erst einmal entspannt Platz nehmen und relaxt zurücklehnen. Allerdings nicht lange, denn wie immer auf Reisen ging es kaum los und alle Kinder hatten erst einmal richtigen Hunger. Nachdem die “Raubtierfütterung” vorerst beendet war, beschäftigten sich alle Kinder miteinander und mit Bilderbüchern und Malen – und alle Eltern hatten zunächt mal etwas Ruhe. Himmlisch, denn das wäre ohne andere mitreisende Kinder so nicht möglich gewesen. Dieser Zustand hielt auch während des gesamten Urlaubs an und war für uns die Erkenntnis – für einen eigenen noch erholsameren Urlaub - bis auf Weiteres möglichst mit anderen Familien gemeinsam in den Urlaub zu fahren.
In München angekommen, hatten wir knapp 45 Minuten Aufenthalt, um den Anschlußzug Richtung Bozen zu bekommn. Genügend Zeit, um in Ruhe auch mit viel Gepäck umzusteigen und auch noch den Reiseproviant aufzufüllen. Bis hierhin verlief die Fahrt absolut reibungslos und auch die zwei bis sechs Jahre alten Kinder hatten ihren Spaß. Es folgten nun noch drei weitere Stunden im Eurocity durch Österreich über den Brenner nach Italien und gegen 18 Uhr kamen wir am Bahnhof des kleinen Ortes Fortezza an. Der Transferbus wartete schon (unser Tourguide Klaus hatte wirklich alles bestens organisiert) und 30 Minuten später erreichten wir unseren Urlaubsort Vals, ein kleines, noch recht ursprüngliches Skidorf in etwa 1.400 Metern Höhe, mit vielen Pensionen, Hotels aber auch noch einigen Bauernhöfen.
Mittlerweile war es dunkel geworden, doch trotz der Dunkelheit konnten wir noch sehr gut erkennen, was wir eigentlich nicht sehen wollten. Es lag im Ort nicht einen Millimeter Schnee und die Gesichter wurden bei einigen Teilnehmern der Gruppe entsprechend immer länger. Das hatte keiner erwartet, zumal die in der Heimat empfangenen Schneeberichte ganz anders lauteten.
Tag 2: Am nächsten Tag hingen die Wolken tief und es gab im Ort den ganzen Tag eine Mischung aus Regen und Schneeregen. Natürlich blieb davon nichts liegen, denn dafür war es viel zu mild. Uns war es an diesem Tag noch relativ egal, denn es stand sowieso das obligatorische Ski ausleihen und Skipaß besorgen auf dem Programm. So gingen wir noch ziemlich entspannt zum größten Skiverleih des Ortes und mußten feststellen, dass dieser zum Bersten voll war (na klar, wir waren ja auch nicht die Einzigen, die am Wochenende angereist waren). Zwei Stunden später, meine Frau einem Nervenzusammenbruch sehr nahe, die Kinder nur noch am schreien und ich mit einem Temperaturempfinden, als hätte ich gerade einen 15 minütigen Saunagang hinter mir, hatten wir es geschafft: alle Familienmitglieder waren mit Skiern und Skistiefeln versorgt, wir hatten unsere Skipässe und die Kinder waren zum Skikurs angemeldet (und hatten schon jetzt keine Lust mehr zum Skifahren). Das konnte ja heiter werden. Dann kehrten auch noch die ersten Skifahrer aus dem eigentlichen Skigebiet zurück und meldeten frustriert eine Sicht von weniger als zehn Metern, bei der das Skifahren natürlich überhaupt keinen Spaß bringt. Aber immerhin gab es im Skigebiet, das gerade einmal über 22 Pistenkilometer verfügt, offensichtlich noch genügend Schnee.
Tag 3: Am nächsten Tag begann der Skikurs für unsere Kinder. Treffpunkt war der Snowpark der Skischule Jochtal, ein liebevoll angelegter Platz mit kleinen Fließbandliften und vielen absolut kindgerechten Einrichtungen. Mit reichlich Kunstsschnee hatte man hier noch ein ansprechendes Übungsstück gerettet. Die Eltern waren sehr angetan, die Kinder waren noch abwartend. Etwa 120 Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren wurden zunächst den einzelnen Gruppen und Skilehrern zugeteilt, entsprechend laut und aufgeregt war das Geschnatter der Kinder und Eltern. Unsere dreijährige Tochter kam in eine Gruppe mit den kleinsten Skianfängern – die einzige Gruppe, in der es von Beginn an sogar zwei Skilehrer für die Kleinen gab. Stolz beobachteten die meisten Eltern – wir auch – ihre Schützlinge. Wahrscheilich ein Fehler, denn das Geschrei der vielen Kinder, die gegen die ungewohnten Bretter unter ihren Füßen lautstark protestierten und eindringlich nach Mama und Papa verlangten, war ohrenbetäubend. Fasziniert beobachtete ich, mit welcher Ruhe die Skilehrer diese für sie wöchentlich wiederkehrende Tortur ertrugen und die Kinder behutsam an die ersten Schritte auf den ungewohnten Skiern heranführten.
Nach zwei Stunden ging es bei unserem Sohn auf dem superflachen Übungsstück eigentlich schon ganz ordentlich, unsere Tochter übte sich derweil mehr im Skistehen, denn im Skifahren. Zum Glück wollten beide – zumindest unter der Auflage, das eines der Elternteile in der Nähe blieb – den Skikurs auch am nächsten Tag fortsetzen, womit wir in dieser Hinsicht schon mehr Glück hatten, als viele andere Elternteile. Am Nachmittag hingen die Wolken immer noch tief und im Tal nieselte es konstant vor sich hin. Meine Frau wollte jetzt trotzdem einmal die Bedingungen im Skigebiet testen und kam auch halbwegs zufrieden wieder zurück. Am Abend fielen die Temperaturen dann urplötzlich deutlich ab und aus dem Nieselregen wurden auf einmal dicke Schneeflocken, die auch liegenblieben.
Tag 4: Es hatte fast die ganze Nacht geschneit. Der Ort war nicht wiederzuerkennen. Eine weiße Bilderbuchlandschaft, wie aus dem Hochglanzprospekt, dazu noch strahlender Sonennschein – einfach fantastisches Skiwetter. Heute konnte es allen Skifahrern aus der Gruppe nicht schnell genug gehen. Auch die Kinder werden von der guten Laune angesteckt und freuen sich auf den Skitag. Einziger Werrmutstropfen: nachdem ich unsere Kinder zur Skischule gebracht habe, verpasse ich leider den rechtzeitigen Abschied. Jetzt komme ich nicht mehr weg, ohne dass die Kinder den ganzen Kurs in Grund und Boden schreien. So bleibe ich notgedrungen in der Nähe und genieße den schönen Schnee von der passiven Seite. Am Nachmittag darf ich dann endlich ran und genieße den herrlichen Neuschnee auf den präparierten Pisten in vollen Zügen.
Tag 5-7: Der Tagesrythmus hatte sich eingespielt. Vormittags waren unsere Kinder im Skikurs und meine Frau und ich konnten gemeinsam Skilaufen, nachmittags wechselten wir uns in der Betreuung der Kinder ab, die auch dann am liebsten im Kinder-Snowpark bleiben wollten und fleißig übten. Die Temperaturen stiegen wieder deutlich an, so dass von dem vielen Neuschnee schon nach drei Tagen fast nichts mehr übrig geblieben war. Am Freitag (7. Tag) war der große Abschluß- und Renntag der Skischule. Auf dem blauen Übungshang war eine kleine Rennstrecke aufgebaut worden und alle etwa einhundert verbliebenen Kinder hatten Startnummern erhalten. Die etwas Größeren konnten mittlerweile selbst mit dem Tellerlift nach oben fahren, die Kleinen wurden mit dem Skibob-Taxi nach oben gebracht. Für mich war es absolut fantastisch, welche Fortschritte einige der Kinder nach nur einer Woche Skiunterricht gemacht hatten. Die Organisation des Rennens von der Skischule war wirklich sehr gut. Am Ende erhielten die Schnellsten aus der jeweiligen Skigruppe einen Pokal, alle anderen noch eine Medaillie. Selten hat man so viel strahlende Kinderaugen gesehen. Ein absolut gekungener Skikurs.
Tag 8: Heute ist unser letzter Skitag. Wir nehmen unsere beiden Kinder mit ins Skigebiet. Unser Sohn überrascht uns dabei sehr, denn obwohl er eigentlich ansonsten ein eher vorsichtiger Zeitgenosse ist, fährt er problemlos die roten Pisten herunter. Das hätte ich nach einer Woche nicht erwartet und bin entsprechend stolz. Unsere Tochter kommt die einfacheren Hänge auch problemlos runter (wenn sie denn will, was leider nicht immer der Fall ist) und so empfinden wir den Skiurlaub in Vals – trotz der anfänglichen Probleme – als vollen Erfolg und wollen das Familienskifahren im nächsten Jahr auf jeden Fall fortsetzen.
Tag 9: Heute geht es wieder nach Hause. Mit etwa einer Stunde Verspätung kommen wir gegen 22 Uhr sehr müde wieder zu Hause an. Es war ein schöner Skiurlaub.
Resumee: Für einen Familienskiurlaub mit kleinen Kindern ist Vals im Jochtal ein sehr schönes Skigebiet. Auch wenn 22 Pistenkilometer nicht wirklich viel sind, so reichen diese doch vollkommen aus, wenn man aufgrund der Skischulzeiten der Kinder zeitlich nicht uneingeschränkt laufen kann. Ein viel größeres Gebiet hätten wir gar nicht ausnutzen können. Von daher waren wir sehr zufrieden. Die nächsten ein bis zwei Jahre kann es durchaus noch vergleichbar laufen, dann werden wir sicher wieder die größeren Skigebiete präferieren. Als Reisezeitraum ist Mitte März für Südtirol unter Umständen von den Temperaturen und den Schneeverhältnissen schon etwas zu spät. Allerdings weiß man das auch für andere Alpenregionen nie wirklich sicher. Nach unseren Infos hat es jetzt (Ende März) noch einmal richtig viel Neuschnee in Südtirol gegeben, also kann man eine pauschale Aussage nicht treffen. Für Familien können wir Vals sehr empfehlen. Vor allem die Skischule ist hervorragend auf Kinder (auch auf kleinere) eingestellt. Zusätzlich ist das Preisniveau - sowohl im Hotelbereich, als auch für Skiausrüstung und Skipaß - im Vergleich zu vielen anderen Alpenorten noch wirklich sehr moderat und fair.
In Vals waren wir auch schon. Ist für Familien wirklich ganz nett, vor allem das Preis-/Leistungsverhältniss ist im Vergleich zu vielen anderen Skigebieten in Österreich und der Schweiz kaum zu toppen. Auf der anderen Seite wird das kleine Skigebiet mit seinen paar Liften schnell langweilig und ist wirklich nur für Anfänger zu empfehlen. Wer schon etwas besser fährt, hat das Gebiet nach einem Tag komplett (mehrfach) erkundet. Wegen der unsicheren Schneeverhältnisse sollte man auch nicht zu spät dorthin fahren, aber das hat Traveller ja auch schon geschrieben.
Liebe Grüße
Susi